Die Magie von Anerkennung und Wertschätzung

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Die Vorstandsassistentin holte mich am Empfang ab und begleitete mich zu meinem Termin mit dem Geschäftsführer eines großen Energieunternehmens. Sein Büro war außergewöhnlich „normal“. Ein herkömmlicher 16 Zoll-Bildschirm zierte den Schreibtisch und dahinter stand ein allgegenwärtiger Bürostuhl ohne überdimensionierter Nackenstütze.  Der kleine Besprechungstisch und die Aussicht auf die Fassade des gegenüberliegenden Gebäudes ließen ebenfalls nicht darauf schließen, dass ich gerade im Office eines CEOs von 300 Mitarbeitern sitze. Während unseres Gesprächs über das Thema Veränderung in Unternehmen erzählte er mir ganz offen, warum der vor 5 Jahren gestartete Change Prozess mittlerweile saftige reife Früchte trägt. Er argumentierte das Gelingen mit den zwei Worten „Anerkennung & Wertschätzung“. Den Menschen auf Augenhöhe begegnen zählt dabei zu seinen ganz großen Tugenden. Es war also kein Zufall, dass sein unmittelbarer Arbeitsplatz zwar allen neuesten technischen Anforderungen entsprach, aber keinerlei sichtbare Statussymbole aufwies. „Während andere sich in ihren Chefetagen und überdimensionierten Büroräumlichkeiten zurückziehen, pflege ich einen regelmäßigen und direkten Kontakt zu all meinen Mitarbeitern, egal aus welcher hierarchischen Ebene. Denn genau bei solchen Gesten beginnt für mich Anerkennung und Wertschätzung, nämlich den Menschen immer und überall auf Augenhöhe zu begegnen“, so der sehr charismatische Manager.

 

Wie drücken wir Wertschätzung aus?

Die digitale Welt stellt besonders Führungskräfte vor enorme Herausforderungen. Die Komplexität verbunden mit der steigenden Volatilität nimmt den alten gelernten Führungsstilen ihre Wirkung. Der grassierende Fachkräftemangel erhöht dabei weiter den Druck auf Unternehmen, ein  wertschätzendes Betriebsklima zu etablieren. Nun wird wohl nahezu jede Führungskraft von sich behaupten, dass sie wertschätzend mit Mitarbeitern umgeht. Doch häufig ist vielen gar nicht bewusst, wo Anerkennung beginnt und wie wichtig dieses Bedürfnis für jeden Menschen ist. Immer wieder bekomme ich selbst von sehr erfolgreichen Managern die Frage gestellt, wie man denn Wertschätzung jetzt konkret ausdrücken kann.

In diesem Fall trifft, wie in vielen anderen Lebenssituationen, ein einfaches Naturgesetz zu: Wir können nur das geben, was wir besitzen. Wer sich selbst schätzt, mit all seinen Macken und Kanten, der hat auch die Fähigkeit, echte Wertschätzung zu zeigen. Authentische Anerkennung ist magisch und das einzige Mittel, um Menschen langfristig zu motivieren. Wie können wir nun zurückfinden zur eigenen und bewussten Selbstliebe?

 

#1 Mangeldenken über Bord werfen

Wir leben in einer Zeit des ausufernden Mangeldenkens. Je mehr wir besitzen, desto größer ist die Angst, etwas verlieren zu können. Wir glauben Macht zu haben, wenn wir Dinge für uns bewahren. Wer allerdings geben kann, ohne dabei eine unmittelbare Gegenleistung zu erwarten, wird ein äußerst befriedigendes Gefühl von Selbstachtung erhalten. Nicht selten kommen dabei über unerwartete Kanäle, Signale und Leistungen zurück. Ich erlebe dies selbst immer wieder, bei meinen ehrenamtlichen Perspektivenkursen für Flüchtlinge.

 

#2 Dem Neid die Stirn bieten

Wer ständig auf andere schielt, macht sich dabei selbst klein. Neid ist eine Form der Angst, nicht genug zu bekommen und kann uns bis in den Ruin treiben. Ein sehr passender Spruch dazu lautet: „Wir kaufen uns Dinge, die wir nicht brauchen, von Geld, das wir nicht haben, um Menschen zu beeindrucken, die wir nicht mögen.“

 

#3 Bewusstseinsbildung über den Selbstwert

Es bedarf einiger Übung, sich immer wieder bewusst zu machen, was wir uns selbst wert sind. Eine mögliche Methode ist das Aufschreiben dieser persönlichen Besonderheiten verbunden mit der Bewertung jeder Eigenschaft mit einer fiktiven Geldsumme. Stellen Sie sich dabei einfach vor, welche Summe Sie erhalten möchten, damit Sie bereit sind, dieses persönliche Attribut abzugeben. Das regelmäßige Voraugenführen dieser Liste fördert in der Folge das Bewusstsein über den eigenen Wert.

 

#4 Dankbarkeit zeigen

Eine einfache Übung dazu ist, sich vor dem Schlafengehen immer wieder zu fragen, für welche drei Dinge oder Momente Sie an diesem Tag dankbar waren. Sie werden nach einiger Zeit ein besonderes Gefühl der inneren Zufriedenheit feststellen können.

 

#5 Fishing for Compliments

Es ist in unserem Kulturkreis geradezu verpönt, jemanden zu fragen, was er an einem toll findet. Wenn dann ist es Frischverliebten vorbehalten. Ändern Sie diesen sinnlosen Glaubenssatz und fragen Sie aktiv Menschen, was Sie zu einem wertvollen Menschen macht. Sie werden sehen, dass es anderen sogar große Freude bereitet, Ihnen etwas Schönes zu sagen. Wir sind übrigens mit uns selbst oft viel kritischer als mit anderen und haben daher Probleme, uns wertzuschätzen.

 

Ich würde mich sehr freuen, wenn durch diesen Beitrag viele Mitarbeiter in Unternehmen mehr Wertschätzung und Anerkennung erfahren können. Denn das ist letztendlich die Basis für einen erfolgreichen Umgang mit den Herausforderungen des digitalen Wandels.    

 

2 Antworten
  1. Stefan Wagner
    Stefan Wagner says:

    Toller Beitrag. Deckt sich mit meinen Erfahrungen.
    Viele Unternehmen leiden unter unter politischen / taktischen Machtspielchen auf allen Ebenen.
    Anstatt Kooperation unter Kollegen, permanente Eskalation ans Management.
    Anstatt Respekt für andere Meinungen, Kritik an opportunistischer Einstellung.
    Anstatt gemeinsam erfolgreich sein, einsam den Schuldigen suchen.

    Wahre Worte lieber Christian 🙂

    Antworten

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