Warum Angst hausgemacht ist

Angst

Eine Frau liest am Strand liegend auf Facebook von den Ereignissen in München. Verzweifelt versucht sie ihre in Tirol lebende Mutter anzurufen, um sicher zu gehen, dass sie wohlauf ist. Das Mobilfunknetz kommt zum Erliegen. Eine Millionenstadt versinkt im Chaos und verwandelt sich binnen Minuten in eine „Geisterstadt“. Der schreckliche Amoklauf von München hat schonungslos aufgezeigt, wie irrational sich Menschen verhalten können, und wie sehr Angst in unser Gesellschaftsleben Einzug gehalten hat. Bei all der Tragik solcher Attentate stellt sich neben der Klärung des Falles auch die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass panische Angst große Teile der Bevölkerung derart in Geiselhaft nimmt.

Grundsätzlich ist jede Form der Angst subjektiv, also jeder empfindet diese anders. Ängste haben eine Schutzfunktion, um uns vor Verlusten, schlechten Gefühlen, Verletzungen oder gar dem Tod zu bewahren. Wenn Angst jedoch zum dominierenden Gefühl wird, blockiert sie uns in unserem Alltag und wir können nicht mehr jene Dinge tun, die wir gerne ausüben möchten. Je ausgeprägter die Furcht vor etwas ist, desto irrationaler wird sie. Denken wir beispielsweise an die Höhen- oder Flugangst. Alle gemeinsam schränken uns ein und knabbern an unserer Lebensqualität. Vielen Menschen ist dieser Umstand gar nicht bewusst und sie lassen sich von ihren Ängsten durch ihr gesamtes Leben treiben. Es gibt übrigens erstaunliche geografische Unterschiede in Europa. Studien belegen, dass Menschen in nördlichen Regionen ängstlicher sind, als jene in südlicheren Ländern. Einerseits hat dies mit dem Wohlstand der Menschen zu tun. Der reichere Norden hat wesentlich mehr Furcht, einen Teil seines hohen Lebensstandards aufgeben zu müssen, als die wirtschaftlich schwächeren Regionen im Süden. Hinzu kommen die klimatischen Voraussetzungen. So waren Ernteausfälle in Regionen mit langen Wintern fatal für das Überleben der Menschen. Diese Grundangst hat sich über Generationen in den Köpfen der Menschen manifestiert und wirkt sich noch heute auf die Mentalität der Volksgruppen aus.

Wenn wir Angst empfinden, dann können wir die Ursache meist nicht beeinflussen. Diese ist schlichtweg ein Ereignis, nicht mehr und nicht weniger. Wie wir darauf reagieren, können wir sehr wohl selbst bestimmen. Den Schuldigen für unsere Ängste suchen wir dennoch häufig bei anderen. In der Folge baut sich ein Gefühl der Ohnmacht gegenüber der Außenwelt auf und unsere Angst verstärkt sich dadurch nur noch. Wenn jemand beispielsweise eine Phobie vor Spinnen hat, ist es nicht die Schuld der Spinne, dass er diese hat; wenn jemand Höhenangst verspürt, kann der Berg nichts dafür. Und wenn 200 Kilometer entfernt ein Amokläufer 9 Menschen umbringt, ist er verantwortlich für diese grauenvolle Tat, aber nicht dafür, wie wir darauf reagieren. So absurd sich das im ersten Moment anhören mag.

Wenn wir es schaffen, Ursache und Wirkung zu trennen, dann gewinnen wir Freiheit und Sicherheit. Wenn wir erkennen, dass die Bilder in unseren Köpfen von uns selbst gezeichnet werden und wir Informationen kritisch auf ihren Wahrheitsgehalt hinterfragen, dann hat das einen wesentlichen Einfluss auf unsere weitere Lebensqualität. Um es auf den Punkt zu bringen: Angst ist ein denkbar schlechter Ratgeber und in den meisten Fällen hausgemacht.

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