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Wie Rechtspopulisten eine Illusion von Veränderung erzeugen

Christian Oberleiter

„Im Namen des Volkes! Make America great again! Österreich zuerst!“ – Das sind einige bekannte Slogans  rechtspopulistischer Politiker, die viele kennen. Ergänzend wird dazu immer wieder behauptet, das Volk sehnt sich nach Veränderung und man setze sich genau dafür ein. Doch welche Art des „Change“ verfolgen solche Volksvertreter in Wirklichkeit?

Im Grunde geht es Ihnen immer wieder um Forderungen nach dem Herstellen eines früheren, längst vergangenen Zustands. Es erscheint ja wenig verwunderlich, dass Trump auf feste fossile Brennstoffe schwört, Erdogan mit der Todesstrafe liebäugelt und manch europäischer Politiker sich „seine“ nationale Währung und Grenzkontrollen zurück wünscht. Eine Gruppe britischer Politiker schaffte es sogar, die Mehrheit des eigenen Volks dazu zu bewegen, für den Austritt aus der EU zu stimmen.

Das bessere Gefühl aus der Vergangenheit

Durch den politischen Ruf nach Veränderung entsteht bei vielen Menschen die Illusion, dass sich deren persönliche Probleme dadurch ebenfalls lösen lassen. Es soll sich etwas im „Außen“ verändern und dadurch das vermeintlich bessere Gefühl aus der Vergangenheit zurückgewonnen werden. Das demokratische Stimmrecht suggeriert nämlich, an einer Veränderung wesentlich mitgewirkt zu haben.

Albert Einstein sagte einst: „Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.“ Ursachen für Missstände haben meist wenig mit einer lang zurückliegenden Entscheidung zu tun, sondern viel mehr damit, dass auf anfangs kleine Veränderungen in der Umgebung lange nicht reagiert wurde.

Beispiel BREXIT

Eindrucksvoll ist dies am Beispiel „Brexit“ erkennbar. Die globale wirtschaftliche Verflechtung aller reicher Industriestaaten zur Zeit des britischen EU-Beitritts im Jahr 1973 ist mit jener von heute in keiner Weise vergleichbar. Während der 44jährigen EU-Mitgliedschaft Großbritanniens veränderten sich die äußeren Rahmenbedingungen für das Land auf geradezu revolutionäre Art und Weise. Wenn UKIP-Politiker nun den Menschen erklären, dass es vor 1973 mit der Freiheit für Briten viel besser bestellt war, dann ignorieren sie (wohl ganz bewusst) die damals herrschenden Umstände.

Entscheidungen aus der Vergangenheit sind teilweise auf mühselige Art revierbar. Es gilt jedoch stets das veränderte Umfeld mit zu berücksichtigen. Und gerade Rechtspopulisten neigen dazu, dieses bewusst zu negieren. Wer Menschen das Gefühl gibt, Teil einer zukunftsorientierten Veränderung zu sein und dabei rückwärts gerichtete Maßnahmen setzt, spielt ein äußerst gefährliches Spiel.

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