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Wie Mitarbeiter mehr Selbstverantwortung übernehmen

Die Wähler werden an die Urnen gerufen, um Ihre Stimme abzugeben. Wir alle kennen solche Aussagen wenn es darum geht, Volksvertreter, Funktionäre oder Repräsentanten zu wählen. Viele Menschen verbinden das allerdings auch mit einer Haltung, dass sie damit auch ihre Verantwortung abgeben – so ganz nach dem Motto, die anderen sollen es machen, geht mich doch nichts an. Mit zunehmender Besorgnis sehe ich solche Trends auf verschiedenste Bereiche unserer Gesellschaft und Wirtschaft einziehen. Gerade in Zeiten des digitalen Wandels steigt die Komplexität rasant an und stellt uns vor völlig neue Herausforderungen. Dabei entstehen Unsicherheit und Ängste. Geradezu reflexartig versuchen wir dann wieder für Ordnung zu sorgen. Anstatt uns mit gegebenen Umständen abzufinden, versuchen wir, durch eine Flut von neuen Regeln und Gesetzen das gewohnte Gefühl der Sicherheit wieder zu erlangen. Das führt beispielsweise bei Fragen der Arbeitszeitvorgaben dazu, dass viele Führungskräfte gar keine Chance mehr haben, die immer komplizierteren Vorschriften zu kennen. Dabei wäre im Hinblick auf die neuen Arbeits- und Lebensformen genau das Gegenteil erforderlich, nämlich der Abbau solcher Vorgaben.

Das Abtreten von Verantwortung zeigt sich nicht nur in der Politik, sondern auch in vielen Unternehmen. Selbstverantwortung zu übernehmen ist das Salz in Suppe, wenn es darum geht, Organisationen auf die Veränderungen der Zukunft vorzubereiten. In zahlreichen Stelleninseraten finden wir den Begriff „eigenverantwortliches Handeln“ bzw. wird dies als geradezu selbstverständlich vorausgesetzt. Doch auch ein Unternehmen kann selbst wesentliche Schritte einleiten, damit die Grundlagen für eigenverantwortliches Handeln gegeben sind:

 

#1 Gemeinsame Ziele

Ein übergeordnetes Ziel und eine kraftvolle Vision geben Menschen das Gefühl, gemeinsam an etwas Großem zu arbeiten. Dies wirkt für alle Beteiligten wesentlich verbindlicher. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter auch einen persönlichen Nutzen daraus ableiten können. Ausschließlich monetäre Vorgaben, welche lediglich die Eigentümer des Unternehmens befriedigen, bewirken allerdings genau das Gegenteil.

 

#2 Empowerment, flache Hierarchien, Regeln abbauen

„Ich bin dafür nicht zuständig. Das muss mein Chef entscheiden, da kann ich leider nichts machen.“ Jeder von uns war schon mal mit solchen Aussagen konfrontiert. Sie sind nicht nur für Kunden frustrierend, sondern auch ein Zeichen dafür, dass Mitarbeiter einen sehr eingeschränkten Handlungsspielraum besitzen. Besonders wenn es darum geht, schnelle Entscheidungen zu treffen, wirken viele Hierarchieebenen und mangelndes Empowerment sehr demotivierend auf Mitarbeiter. Herausfordernde Situationen werden somit wesentlich öfters an Vorgesetzte weiter delegiert, als selbst gelöst.

 

#3 Stellenbeschreibungen evaluieren

Besonders größere Unternehmen neigen dazu, detailgenaue Stellenbeschreibungen ihren Mitarbeitern auszuhändigen. Dadurch ist der jeweilige Aufgabenbereich ganz klar definiert. Wenn es allerdings um unangenehme Veränderungen geht oder schwer zuordenbare Aufgaben, wird auf die gültige Beschreibung verwiesen. Dieses Dokument wirkt dann wie ein Freibrief für „Ich bin dafür nicht zuständig.“ In Zeiten des digitalen Wandels ist es daher ratsam, vorhandene Stellenbeschreibungen entsprechend zu evaluieren und anzupassen.

 

#4 Etablierung einer Fehlerkultur

Wie geht die Organisation mit Fehlern um? Fließen die Energien in das Identifizieren von Schuldigen, deren Verurteilung und dem Aussprechen von Konsequenzen, oder werden Fehler als Chance zur Weiterentwicklung erkannt? Unternehmen mit einer „Null-Fehler-Toleranz“ nehmen in Kauf, dass sich Mitarbeiter bei außerordentlichen Aufgaben und Problemstellungen weniger oft einbringen oder verpflichtet fühlen. Schon bei ersten Anzeichen einer Verfehlung, beginnen emotionale Rechtfertigungen und Schuldzuweisungen. Die Bereitschaft nach der Übernahme von Verantwortung wird dadurch nur noch weiter reduziert.

 

#5 Beziehungen im Team fördern

Noch immer gibt es Unternehmen, welche Freundschaften unter Kollegen kritisch sehen. Je persönlicher allerdings die Beziehungen zwischen den Mitarbeitern sind, desto höher ist die Bereitschaft, Selbstverantwortung zu übernehmen. Man setzt sich eher füreinander ein und vermeidet es, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Unternehmen können diesbezüglich eine Reihe von beziehungsfördernden Maßnahmen und Rahmenbedingungen setzen. Vielfach werden solche Tätigkeiten als unnötige Privatangelegenheiten betitelt bzw. fallen genau solche Tätigkeiten als erstes dem „Sparstift“ zum Opfer.

 

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