WARUM FÜHRUNGS-WERKZEUGE ALLEIN WERTLOS SIND

Führungs Werkzeuge

Von 0 auf 100! So begann damals meine Karriere als Führungskraft. Mein ehemaliger Arbeitgeber setzt großes Vertrauen in mich und ich bin plötzlich Chef von 60 Mitarbeiter*innen. Es gilt, möglichst schnell notwendiges Leadership-Know-How aufzubauen. Ich besuche einen Kurs nach dem anderen: Arbeitsrecht, Mitarbeitergespräche führen Modul I+II, Führungsstile, Mitarbeiterbeurteilung, Sicherheitsschulung, Kommunikationstrainings und weitere unzählige fachliche Weiterbildungen. Jede einzelne davon ist enorm wertvoll, denn ich bin ja quasi ein „Neueinsteiger“ auch wenn in den Kursen meist Führungskräfte mit jahrelanger Erfahrung sitzen.

Rückblickend wurde mir bewusst, dass all diese Aus- und Fortbildungen zwar sinnvoll waren doch einen wesentlichen Bereich, hatte ich nicht im Fokus – Die Stärkung meiner eigenen Persönlichkeit.

Bei guter „Witterung“ ist alles OK!

Solange die „betriebliche Wetterlage“ heiter und stabil war, reichten die erlernten Tools verbunden mit ein wenig „Hausverstand“ aus. Es war ein verführerischer Trugschluss, alles im Griff zu haben und ich gewann dadurch die so wichtige Selbstsicherheit. Doch als dann die ersten größeren Veränderungsprozesse so richtig die Ebene der Mitarbeiter*innen erreichten, änderte sich die Situation. Vorbei war es mit Harmonie und gefühltem Teamspirit. Ich war als Führungskraft neben dem operativen Tagesgeschäft plötzlich enorm gefordert, zwischenmenschliche Probleme zu managen und zu lösen die mir bislang fremd waren. All die gelernten Werkzeuge blieben dabei häufig wirkungslos und ich hatte als Führungskraft an Strahlkraft verloren.

Es ging also nicht mehr um die Anwendung einiger Methoden, sondern schlicht darum, die Emotionen und Verhaltensweisen anderer Menschen wahrzunehmen, zu differenzieren und anzuerkennen. Doch damit war ich überfordert und ich realisierte erst sehr viel später, dass mir ein entscheidender Baustein fehlte: Klarheit über meine eigene Persönlichkeit, meine Werte, Emotionen und Handlungsmuster.

Kristalle funkeln nur bei Klarheit

Um es mit der Metapher eines Kristalls zu beschreiben, hatte ich durch die vielen Fachkurse zwar meine Facetten perfekt geschliffen aber im Inneren war ich trüb. Denn funkeln können Kristalle nämlich nur dann, wenn sie klar und rein sind.

Es geht also im ersten Schritt darum, seiner persönlichen Werte bewusst zu werden. Hand aufs Herz liebe Leser*innen: Kennen Sie Ihre fünf wichtigsten Werte im Leben? Mir waren sie lange nicht bewusst.

Je nachdem, in welchem Ausmaß und in welchen Situationen unsere Werte erfüllt werden, lösen sie eine Emotion aus, die wiederum unsere Handlung steuert. Diese Prozesse erfolgen allerdings unbewusst und wir können sie auch nicht aktiv steuern. Somit macht es großen Sinn, sich seiner persönlichen Werte aber auch jener seines Gegenübers bewusst zu werden. Dann nämlich sind wir in der Lage, Verhaltensformen von Menschen auf einer ganz anderen Ebene zu bewerten und können dadurch bessere Handlungen und Entscheidungen folgen lassen.

Aus gelebter Erfahrung weiß ich, dass viele Unternehmen aber auch Führungskräfte noch immer sehr zurückhaltend sind, wenn es um die Bewusstmachung bzw. Stärkung der Persönlichkeit geht. Dieser Prozess erfordert eine gehörige Portion Mut, Ausdauer und die Bereitschaft zur Veränderung seiner individuellen Sichtweisen.