Warum motivierte Mitarbeiter ein Unternehmen verlassen

Warum motivierte Mitarbeiter ein Unternehmen verlassen

Wie für viele Rennfahrer es der Lebenstraum war, einmal bei Ferrari fahren zu dürfen, so war es für mich der Wunsch, bei meinem damaligen Arbeitgeber arbeiten zu dürfen. Ich fühlte mich magisch angezogen und war in der Folge ungemein stolz, ein Teil dessen gewesen zu sein.

Aber was ist das für eine Kraft, die Menschen wie von Geisterhand zu bestimmten Firmen und Organisationen hinzieht. Auf den ersten Blick betrachtet sind es wohl die Produkte oder der Stellenwert den ein Unternehmen in der Gesellschaft hat. Ein Teil von etwas Großem und Bedeutsamen zu sein, ist ein tiefes Bedürfnis von Menschen. Aber warum gibt es dennoch große Firmen die sich sehr schwer tun, qualifizierte Mitarbeiter zu finden und andererseits kleine unscheinbare Unternehmen, welche auf den ersten Blick völlig „unsexy“ erscheinen, aber dennoch hochqualifizierte und begeistere Mitarbeiter haben?

Die meisten nachhaltig erfolgreichen Firmen haben ein klar definiertes WARUM. Sie verkörpern und kommunizieren akribisch genau, WARUM es dieses Unternehmen gibt und welche Rolle es für die Gesellschaft hat. Bei den meisten Unternehmen bleibt es meist bei gut gemeinten Visionen und Leitbildern, welche ganz nach dem Interesse der Shareholder klingen, als dass es eine Anbindung an etwas ganz Großes wäre. Jene Organisationen welche es schaffen, einen übergeordneten Sinn zu definieren und zu leben, sind nachhaltig ungemein erfolgreich. Als prominentester Vertreter gilt hierbei Apple mit dem allbekannten Leitsatz „Apple verändert die Welt“.

Persönlich konnte ich in meiner beruflichen Laufbahn die Kraft dieses WARUMs sehr eindrucksvoll spüren, und erlebte in weiterer Folge die einsetzenden Mechanismen, wenn dieses WARUM aus dem Fokus verloren geht. Dieses prägende WARUM wurde über mehrere Familien-Generationen weitergetragen und mündete in einem intensiven Zugehörigkeitsgefühl und Loyalität der Mitarbeiter zum Unternehmen. Es herrschte eine ungemeine Dynamik und Zusammengehörigkeitsgefühl. Es wurde schon zu einer Selbstverständlichkeit, dass ein Umsatzrekord dem nächsten folgte.

Aber genau in dieser Phase des massiven Wachstums verschob sich der Fokus auf das WAS und weg vom WARUM. Das so wichtige Gleichgewicht des Dreiklangs WARUM-WIE-WAS geriet ins Wanken. Als sich die äußeren Rahmenbedingungen dabei noch drastisch änderten, konnte das Unternehmen schon nicht mehr auf die Kraft des ursprünglichen WARUMs zurückgreifen. Die Unternehmensführung reagierte wie viele andere Firmen auch, mit drastischen Kosteneinsparungsprogrammen, welche das Fundament der jahrelang gelebten Unternehmenskultur erschütterten. Es folgte ein massiver Vertrauensverlust seitens der Mitarbeiter, Lieferanten und Kunden. Viele Schlüsselkräfte verließen das Unternehmen und ein massiver Know-How-Verlust setzte ein. Das jahrelang so hoch gehaltene WARUM war plötzlich verschwunden. Zwar wurde darauf folgend eine Art „Ersatz-WARUM“ mit viel finanziellem Aufwand entwickelt, mit einer Jahreszahl versehen und in das Unternehmen implementiert. Es wirkte allerdings wie eine verzweifelte und künstlich entwickelte „Wiedergutmachungsaktion“, welche nicht annähernd mehr die Wirkung des verloren gegangenen WARUMs erreichte.

Mitarbeiter die sich als Teil von etwas Großen fühlen und den klaren übergeordneten Sinn eines Unternehmens erkennen können, entfalten dramatisch höhere Leistungen als jene Mitarbeiter, welche sich lediglich als Erfüllungsgehilfen für monetären Reichtum seiner Arbeitgeber sehen. Nur wenige Firmen erkannten bislang diese ungemeine Kraft des WARUMs welches gerade für die spannenden nächsten Jahre der digitalen Revolution erforderlich wäre.

Buchtipp zum Thema: Der Sinn des Unternehmens

4 Antworten
  1. Antony
    Antony says:

    Hallo Christian!
    Ich würde noch mehr nach dem WOFÜR fragen. WOFÜR fragt nach dem SINN, WARUM nach dem ZWECK. Würde mich freuen, wenn wir bei nächster Gelegenheit einmal darüber philosophieren könnten.
    Liebe Grüsse und noch ein schönes Wochenende!
    Antony

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  2. MIla Toscano
    MIla Toscano says:

    LIeber Christian,
    tiens!… was soll ich sagen! deine Worte sind meine Worte.
    gerade gestern kommentierte ich diese situation mit eine langjährige kolleginn!
    auch ich Frage mich WOFÜR!
    wich you were here…
    Mila

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    • admin
      admin says:

      Hallo Mila,
      vielen Dank für deinen Kommentar. Ich hoffe es geht dir gut. Ich habe mein WARUM gefunden und bin sehr happy darüber 😉
      Alles Liebe
      Christian

      Antworten

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